Festgeld-Verlängerung: Zu welchem Zins und wie du sie stoppst

Viele Festgelder verlängern sich am Laufzeitende von selbst. Das ist bequem, aber der neue Zins ist oft deutlich schlechter als das, was du bei einem neuen Abschluss bekämst.

Redaktion Kontenvergleich.net Stand: 5 Minuten Lesezeit

Bei einer automatischen Verlängerung (Prolongation) legt die Bank dein Festgeld am Ende der Laufzeit für dieselbe Dauer erneut an, und zwar zu dem Zins, den sie an diesem Tag für diese Laufzeit bietet. Das ist oft nicht ihr bester Zins, schon gar nicht der für Neukunden. Verhindern kannst du das mit einer Weisung vor dem Fälligkeitstermin: Du stellst im Onlinebanking auf Auszahlung um oder schreibst der Bank, dass das Geld auf dein Referenzkonto soll. Die Frist dafür steht in den Bedingungen, bei vielen Banken sind es einige Bankarbeitstage vor Fälligkeit.

Ob dein Festgeld sich verlängert, hast du beim Abschluss festgelegt, oft ohne es zu merken. Ein Blick in die Unterlagen klärt das in fünf Minuten.

Welche Regel für dein Festgeld gilt

Banken handhaben das Laufzeitende unterschiedlich. Grob gibt es drei Modelle:

ModellWas am Laufzeitende passiertWas du tun musst
Automatische AuszahlungKapital und Zinsen gehen auf das Referenzkontonichts, außer neu anlegen
Automatische Verlängerungneue Laufzeit gleicher Dauer zum dann gültigen Zinsrechtzeitig widersprechen, wenn du das nicht willst
Wahlrecht beim Abschlussdu hast beim Abschluss angekreuzt, was passieren sollEinstellung prüfen und bei Bedarf ändern

Viele Direktbanken zahlen inzwischen standardmäßig aus. Bei Filialbanken, Sparkassen und älteren Verträgen ist die Verlängerung häufiger. Über Zinsplattformen läuft meist die Auszahlung, manchmal kannst du dort eine Anschlussanlage wählen.

Deine Regel findest du in den Produktbedingungen oder in der Abschlussbestätigung. Im Onlinebanking steht sie oft in den Details der Festgeldanlage, manchmal als Schalter „Verlängerung“ oder „Wiederanlage“.

Zu welchem Zins verlängert wird

Hier liegt das eigentliche Problem. Die Bank verlängert zum Zins, den sie am Fälligkeitstag für die gleiche Laufzeit anbietet. Drei Dinge wirken dabei gegen dich:

  • Neukundenaktionen gelten nicht. Hattest du beim Abschluss einen Aktionszins, bekommst du bei der Verlängerung den normalen Satz.
  • Das Zinsniveau kann gefallen sein. Was vor zwei Jahren gut war, kann heute unter dem Marktschnitt liegen.
  • Du vergleichst nicht. Eine automatische Verlängerung ersetzt genau den Moment, in dem du dir andere Angebote anschauen würdest.

Manche Banken zahlen für Bestandskunden bei Verlängerung dieselben Zinsen wie für Neuanlagen. Andere liegen deutlich darunter. Nachschauen lohnt immer.

So verhinderst du die automatische Verlängerung

  1. Fälligkeitsdatum herausfinden. Es steht in der Abschlussbestätigung und im Onlinebanking.
  2. Frist prüfen. In den Bedingungen steht, bis wann vor Fälligkeit du eine Weisung erteilen musst. Findest du keine Angabe, rechne mit mindestens einer Woche.
  3. Weisung erteilen. Im Onlinebanking auf „Auszahlung zum Laufzeitende“ umstellen, oder eine Nachricht an die Bank über das Postfach schicken.
  4. Bestätigung abwarten. Lass dir die Weisung bestätigen, oder prüf im Onlinebanking, ob die Einstellung gespeichert ist.
  5. Neues Angebot vorher auswählen. Dann liegt das Geld nicht wochenlang auf dem Referenzkonto herum.

Eine kurze Nachricht an die Bank kann so aussehen:

Bitte verlängert meine Festgeldanlage [Nummer] mit Fälligkeit am [Datum] nicht. Zahlt Kapital und Zinsen zum Fälligkeitstermin auf mein Referenzkonto [IBAN] aus. Bitte bestätigt mir den Eingang dieser Weisung.

Wann die Verlängerung trotzdem passt

Automatisch verlängern ist nicht immer schlecht. Wenn die Bank Bestandskunden fair verzinst und ihr Angebot am Fälligkeitstag unter den besseren am Markt liegt, sparst du dir einen Bankwechsel. Das prüfst du, indem du vier Wochen vorher die Liste auf der Festgeld-Seite mit dem Verlängerungszins deiner Bank vergleichst. Viele Banken nennen den neuen Satz kurz vor Fälligkeit, sonst fragst du nach.

Bei kleinen Beträgen ist der Unterschied in Euro gering. Bei 3.000 € und einem halben Prozentpunkt Abstand geht es um 15 € im Jahr. Dafür extra ein Konto bei einer neuen Bank zu eröffnen, muss nicht sein.

Typische Fehler bei der Verlängerung

  • Die Frist verpassen. Eine Weisung am Fälligkeitstag kommt oft zu spät. Viele Banken brauchen sie einige Bankarbeitstage vorher.
  • Nur das Kapital umstellen. Bei manchen Verträgen gilt die Einstellung getrennt für Kapital und Zinsen. Prüf, ob beides ausgezahlt wird.
  • Die Laufzeit übersehen. Eine Verlängerung übernimmt die alte Laufzeit. Hattest du fünf Jahre gewählt, bist du wieder fünf Jahre gebunden.
  • Ein altes Referenzkonto hinterlegt lassen. Hast du das Girokonto inzwischen gewechselt, landet die Auszahlung womöglich auf einem gekündigten Konto und kommt verzögert zurück. Aktualisiere das Referenzkonto rechtzeitig.
  • Die Einlagensicherung vergessen. Bei Zinsgutschrift auf das Festgeld wächst der Betrag. Liegst du mit allen Guthaben bei dieser Bank nahe an 100.000 €, kann ein Teil nach der Verlängerung ungeschützt sein.

Und wenn die Bank verlängert hat, obwohl du widersprochen hast: Leg deine Weisung mit Datum vor und verlange die Rückabwicklung. Dann liegt der Fehler bei der Bank.

Was du mit dem frei werdenden Geld machen kannst

Kommt das Festgeld zurück aufs Referenzkonto, hast du mehrere Wege:

  • Neues Festgeld bei der besten Bank für deine Laufzeit. Den Ertrag rechnest du im Festgeldrechner vorab aus.
  • Tagesgeld, wenn du flexibel bleiben willst oder mit steigenden Zinsen rechnest. Aktionszinsen für Neukunden können dabei eine Überbrückung sein, siehe Neukundenzinsen.
  • Aufteilen in eine Treppe, damit du in Zukunft nicht wieder alles auf einen Termin hast.

Wenn du beim Neuanlegen überlegst, wie lange du dich binden willst, hilft der Ratgeber Tagesgeld oder Festgeld. Und falls du vor dem Laufzeitende an das Geld musst, steht im Ratgeber Festgeld vorzeitig kündigen, welche Möglichkeiten es gibt.

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Häufige Fragen

Muss die Bank mich vor der Verlängerung informieren?

Eine allgemeine gesetzliche Pflicht dazu gibt es nicht, es kommt auf deinen Vertrag an. Viele Banken schicken trotzdem vorher eine Nachricht ins Postfach mit dem neuen Zins. Verlass dich nicht darauf und trag dir das Fälligkeitsdatum selbst ein.

Kann ich nach der Verlängerung noch widersprechen?

Einen Anspruch darauf hast du nicht, der neue Vertrag läuft dann. Manche Banken lassen innerhalb weniger Tage nach der Prolongation eine kostenlose Rückabwicklung zu. Frag sofort nach, wenn du es bemerkst, je früher, desto besser die Chancen.

Ändert sich bei der Verlängerung mein Freistellungsauftrag?

Nein, der Freistellungsauftrag gilt für alle deine Konten bei dieser Bank und bleibt bestehen. Werden bei der Verlängerung Zinsen der ersten Laufzeit fällig, verrechnet die Bank sie wie gewohnt damit.

Was passiert mit den Zinsen der ersten Laufzeit?

Das hängt vom Vertrag ab. Entweder zahlt die Bank sie auf dein Referenzkonto aus, und nur das Kapital wird neu angelegt. Oder die Zinsen werden dem neuen Festgeld zugeschlagen und verzinsen sich mit. Welche Variante gilt, steht in deinen Anlagebedingungen oder lässt sich bei manchen Banken im Onlinebanking auswählen.

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