Festgeld vorzeitig kündigen: Geht das, was kostet es?

Festgeld heißt: Das Geld liegt fest. Wer vor dem Ende der Laufzeit ran muss, ist auf das Entgegenkommen der Bank angewiesen, und das gibt es selten umsonst.

Redaktion Kontenvergleich.net Stand: 4 Minuten Lesezeit

Ein Festgeld kannst du vor dem Ende der Laufzeit normalerweise nicht kündigen. Der Vertrag sieht das nicht vor, und die Bank muss sich darauf nicht einlassen. Einige Banken lösen trotzdem auf Anfrage auf, verlangen dafür aber einen Abschlag: Meist streichen sie die Zinsen ganz oder rechnen mit einem viel niedrigeren Zins ab, manchmal kommt ein Entgelt dazu. Dein eingezahltes Geld bekommst du dabei in aller Regel vollständig zurück.

Bevor du fragst, prüf zwei Dinge: ob es einen günstigeren Weg gibt, an das Geld zu kommen, und was genau in deinem Vertrag steht.

Warum es kein Kündigungsrecht gibt

Festgeld ist rechtlich ein Darlehen von dir an die Bank mit fester Laufzeit. Bei solchen Verträgen gibt es keine ordentliche Kündigung, weder für dich noch für die Bank. Genau dafür zahlt die Bank einen höheren Zins als beim Tagesgeld: Sie kann mit deinem Geld bis zum Stichtag planen.

Eine außerordentliche Kündigung aus wichtigem Grund ist im Gesetz zwar vorgesehen. Die Hürde ist aber hoch, und eigener Geldbedarf reicht nicht. Jobverlust, Autoreparatur oder ein günstiges Hausangebot sind dein Risiko, nicht das der Bank.

Was Banken bei vorzeitiger Auflösung verlangen

Ob und wie eine Bank dir entgegenkommt, steht manchmal in den Produktbedingungen, oft entscheidet sie im Einzelfall. Diese Varianten kommen vor:

Regelung Was mit deinen Zinsen passiert
Keine Auflösung möglich Du wartest bis zum Laufzeitende
Auflösung ohne Zinsen Du bekommst nur den eingezahlten Betrag zurück
Auflösung mit reduziertem Zins Die Bank rechnet für die gelaufene Zeit mit einem niedrigen Satz ab, etwa dem Tagesgeldzins oder weniger
Vorschusszinsen oder Entgelt Ein fester Betrag oder ein Prozentsatz wird abgezogen, manchmal auch von bereits gezahlten Zinsen
Festgeld mit Kündigungsoption Kündigung zu festen Terminen vertraglich vereinbart, dafür von Anfang an niedrigerer Zins

Zieht die Bank mehr ab, als an Zinsen angefallen ist, geht es an dein Kapital. Das ist selten, aber lass dir den Auszahlungsbetrag vorher schriftlich nennen.

Alternativen zur Auflösung

Bevor du die Bank um eine Auflösung bittest, lohnt der Blick auf diese Wege:

  • Tagesgeld oder Notgroschen anzapfen. Klingt banal, wird aber oft vergessen, weil das Geld gedanklich einem anderen Zweck gehört.
  • Kurzfristig überbrücken. Ein Dispo für einige Wochen oder ein kleiner Ratenkredit kann weniger kosten als der Zinsverlust. Was der Dispo über einen Zeitraum kostet, rechnest du mit dem Dispozinsrechner aus. Mehr zu den Risiken steht im Ratgeber zum Dispokredit.
  • Festgeld beleihen. Manche Banken geben gegen das Festgeld als Sicherheit einen Kredit. Das ist vor allem bei Filialbanken zu finden.
  • Zahlungstermin verschieben. Bei geplanten Ausgaben wie einer Renovierung lässt sich die Rechnung manchmal auf das Laufzeitende legen.

Eine Überbrückung ist nur dann sinnvoll, wenn du sicher weißt, wann das Festgeld frei wird und der Kredit bis dahin getilgt ist.

So fragst du bei der Bank nach

Schreib über das Postfach im Onlinebanking oder per Brief. Eine kurze, sachliche Anfrage reicht, zum Beispiel:

Ich bitte um vorzeitige Auflösung meiner Festgeldanlage mit der Kontonummer [Nummer], angelegt am [Datum] mit Laufzeit bis [Datum]. Bitte nennt mir vorab den Betrag, der mir bei einer Auflösung zum [Wunschdatum] ausgezahlt würde, und die Berechnung dazu. Erst nach eurer Antwort entscheide ich, ob ich die Auflösung beauftrage.

Damit legst du dich nicht fest. Du bekommst eine Zahl, die du gegen die Alternativen rechnen kannst. Einen Grund musst du nicht angeben. Bei Härtefällen wie Krankheit oder Todesfall in der Familie kann ein Satz dazu die Kulanz erhöhen.

Wie du das beim nächsten Mal vermeidest

Die meisten Auflösungswünsche entstehen, weil zu viel Geld auf einmal fest angelegt wurde. Drei Gewohnheiten helfen:

  1. Erst den Notgroschen, dann Festgeld. Drei bis sechs Monatsausgaben gehören auf ein Tagesgeldkonto. Wie du die Höhe bestimmst, steht im Ratgeber zum Notgroschen.
  2. Laufzeiten staffeln. Mit einer Zinstreppe wird jedes Jahr ein Teil frei. Du kommst regelmäßig an Geld, ohne auf höhere Zinsen für längere Laufzeiten zu verzichten.
  3. Laufzeit am Zweck ausrichten. Wer in 18 Monaten ein Auto kaufen will, legt nicht für drei Jahre an, auch wenn der Zins verlockt.

Welche Laufzeit welchen Zinsertrag bringt, rechnest du vor dem Abschluss mit dem Festgeldrechner durch. Und wenn du unsicher bist, ob du Festgeld überhaupt brauchst: Der Ratgeber Tagesgeld oder Festgeld hilft bei der Entscheidung.

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Häufige Fragen

Können Erben ein Festgeld vorzeitig kündigen?

Nein, nicht aus eigenem Recht. Die Erben treten in den Vertrag ein, wie er ist, inklusive Laufzeit. Viele Banken lösen Festgeld im Todesfall aus Kulanz trotzdem auf, oft ohne Abzug. Frag mit Sterbeurkunde und Erbschein oder Testament bei der Bank nach.

Kann ich ein Festgeld teilweise auflösen?

Das ist noch seltener möglich als eine vollständige Auflösung. Die meisten Verträge kennen nur den ganzen Betrag. Wenn eine Bank Teilauflösungen erlaubt, steht das ausdrücklich in den Produktbedingungen.

Kann ich ein Festgeld beleihen, statt es aufzulösen?

Bei manchen Filialbanken ja. Die Bank gibt dir dann einen Kredit und nimmt das Festgeld als Sicherheit. Das kostet Kreditzinsen, du behältst aber den Festgeldzins. Bei Direktbanken ist das Angebot selten. Rechne den Kreditzins gegen den Zinsverlust bei einer Auflösung.

Darf die Bank mein Festgeld vorzeitig kündigen?

Ohne wichtigen Grund ebenfalls nicht. Der Vertrag bindet beide Seiten. Ausnahmen sind etwa Verstöße gegen die Geschäftsbedingungen oder ein Umzug ins Ausland, wenn die Bank dort keine Kunden bedienen darf.

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