Dispokredit: was er kostet und wie du ihn ablöst

Der Dispo ist der bequemste Kredit, den es gibt. Genau deshalb bleibt er bei vielen Leuten jahrelang stehen, und das ist teuer.

Redaktion Kontenvergleich.net Stand: 4 Minuten Lesezeit

Ein Dispokredit ist der Kreditrahmen auf deinem Girokonto: Du darfst bis zu einem vereinbarten Betrag ins Minus gehen und zahlst nur für die Tage und den Betrag, den du wirklich nutzt. Er ist für kurze Engpässe gedacht, für Monate oder Jahre ist er fast immer der teuerste Kredit, den du bekommen kannst. Die Zinsen liegen meist weit über denen eines Ratenkredits. Stehst du länger als ein paar Wochen im Minus, lohnt der Umstieg auf einen Ratenkredit, der den Dispo ablöst und in festen Raten abbezahlt wird. Wie viel das spart, zeigt das Rechenbeispiel unten.

Dispo und geduldete Überziehung

Das Gesetz unterscheidet zwei Arten, ins Minus zu gehen.

Eingeräumte Überziehung (Dispo) Geduldete Überziehung
Rechtsgrundlage § 504 BGB § 505 BGB
Wie sie entsteht vertraglich vereinbarter Rahmen du überziehst über den Dispo hinaus oder hast keinen, die Bank lässt die Zahlung trotzdem zu
Zinsen Dispozins Überziehungszins, meist noch höher
Anspruch du darfst den Rahmen nutzen kein Anspruch, die Bank kann Zahlungen ablehnen

Beide Zinssätze stehen in deinem Vertrag und im Preis- und Leistungsverzeichnis der Bank. Den Satz für die geduldete Überziehung übersehen viele, weil er erst greift, wenn der Dispo schon ausgereizt ist.

So rechnet die Bank die Zinsen

Dispozinsen werden taggenau berechnet und meist einmal im Quartal abgebucht. Die Formel:

Zinsen = Minus × Zinssatz × Tage ÷ 365

Manche Banken teilen durch 360, das macht den Kredit ein wenig teurer. Den Zinssatz findest du im Preis- und Leistungsverzeichnis oder auf dem Kontoauszug. Mit dem Dispozinsrechner rechnest du deinen eigenen Fall aus.

Den Dispo mit einem Ratenkredit ablösen

So gehst du vor:

  1. Kassensturz. Schreib auf, wie hoch das Minus im Schnitt der letzten drei Monate war, nicht nur heute. Leih so viel, dass du danach auch am Monatsende im Plus bleibst.
  2. Rate festlegen. Die Rate muss jeden Monat sicher bezahlbar sein, auch wenn die Waschmaschine kaputtgeht. Mit dem Kreditrechner siehst du, wie Laufzeit und Rate zusammenhängen.
  3. Angebote vergleichen. Vergleiche den effektiven Jahreszins, nicht den Sollzins. Aktuelle Ratenkredite findest du in unserem Kreditvergleich. Viele Portale fragen die Schufa „konditionsneutral“ an, das schadet deinem Score nicht.
  4. Kredit auf das Girokonto auszahlen lassen. Damit ist das Minus sofort ausgeglichen.
  5. Dispo herabsetzen. Das ist der Schritt, den die meisten auslassen. Solange der alte Rahmen offen steht, ist das Risiko groß, dass nach einem Jahr Dispo und Ratenkredit nebeneinander laufen.

Bei kleinen Beträgen kann es schwierig sein, einen Ratenkredit zu bekommen, weil viele Banken erst ab einem Mindestbetrag verleihen. Dann hilft ein fester Dauerauftrag, der das Minus jeden Monat um einen festen Betrag abbaut, gekoppelt mit einem gesenkten Dispo. Hast du mehrere Kredite, lohnt sich ein Blick auf die Umschuldung, bei der du alles in einem Vertrag zusammenfasst.

Deine Rechte bei dauerhafter Überziehung

Das Gesetz schützt Leute, die dauerhaft im Dispo stecken. Nutzt du den Dispo sechs Monate ununterbrochen und im Schnitt zu mehr als 75 % des Rahmens, muss die Bank dir eine Beratung anbieten (§ 504a BGB). Das Angebot kommt schriftlich, die Beratung findet persönlich statt, auch per Telefon oder Video. Die Bank muss dabei Alternativen zum Dispo nennen, etwa einen günstigeren Ratenkredit, und die Folgen erklären.

Bei der geduldeten Überziehung gilt etwas Ähnliches (§ 505 BGB). Überziehst du länger als einen Monat erheblich, muss die Bank dich informieren. Nach drei Monaten, wenn das Minus im Schnitt mehr als die Hälfte deines monatlichen Geldeingangs beträgt, muss sie ebenfalls eine Beratung anbieten.

Nimm das Angebot an, wenn es kommt. Du bist nicht verpflichtet, einen Kredit der eigenen Bank abzuschließen. Aber du erfährst, was sie dir anbietet, und kannst das mit anderen Angeboten vergleichen.

Wann ein Wechsel des Kontos hilft

Die Dispozinsen unterscheiden sich von Bank zu Bank stark. Bist du oft kurz im Minus, etwa weil das Gehalt spät kommt, kann ein Konto mit niedrigerem Dispozins mehr sparen als jede andere Maßnahme. Achte beim Vergleich auf der Girokonto-Seite auch auf den Zins für die geduldete Überziehung.

Bist du dagegen dauerhaft im Minus, löst ein Kontowechsel das Problem nicht. Die neue Bank räumt dir vielleicht einen kleineren Dispo ein, und das Minus der alten Bank musst du trotzdem zurückzahlen. Hier führt der Weg über den Ratenkredit. Wenn die Schulden über den Kopf wachsen, hilft eine anerkannte Schuldnerberatung, etwa bei der Stadt oder einem Wohlfahrtsverband. Dort ist die Beratung in der Regel kostenlos.

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Häufige Fragen

Wie hoch ist ein Dispo üblicherweise?

Das legt die Bank nach deinem Geldeingang und deiner Bonität fest, oft in der Größenordnung von einem bis drei Monatsgehältern. Einen Anspruch auf einen bestimmten Rahmen gibt es nicht. Ein hoher Rahmen ist kein Vorteil, wenn er dich dazu bringt, ihn zu nutzen.

Kann ich den Dispo selbst herabsetzen oder streichen lassen?

Ja, jederzeit und ohne Begründung. Ein Anruf, eine Nachricht im Onlinebanking oder ein kurzer Brief reichen. Wer dazu neigt, den Rahmen auszuschöpfen, schützt sich so am wirksamsten.

Darf die Bank den Dispo einfach kündigen?

Ja, der Dispo ist ein Kredit auf unbestimmte Zeit, den die Bank nach ihren Bedingungen kündigen kann. Dann wird das Minus fällig. In der Praxis setzt sie dir eine Frist und bietet oft eine Ratenzahlung an. Reagiere darauf schnell, bevor die Sache an ein Inkassobüro geht.

Zahle ich Dispozinsen auch am Wochenende?

Ja. Die Bank rechnet taggenau, auch Samstag und Sonntag zählen. Ein Gehaltseingang am Montag hilft für das Wochenende davor nicht.

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