Als Notgroschen solltest du so viel Geld zurücklegen, dass du drei bis sechs Monate deiner festen Ausgaben ohne Einkommen decken kannst. Die Verbraucherzentralen nennen als Daumenregel zwei bis drei Netto-Monatsgehälter. Selbstständige, Alleinverdiener und Eigentümer brauchen mehr. Das Geld gehört auf ein Tagesgeldkonto: verfügbar am nächsten Bankarbeitstag, verzinst und getrennt vom Girokonto.
Wofür der Notgroschen da ist
Er soll zwei Arten von Problemen abfangen. Die erste sind plötzliche Ausgaben: die kaputte Waschmaschine, die Zahnbehandlung, die Autoreparatur, die Nachzahlung der Nebenkosten. Die zweite ist ein Einkommensausfall, etwa durch Jobverlust, lange Krankheit oder eine Flaute im Geschäft.
Ohne Rücklage landet beides im Dispokredit oder in einem Ratenkredit. Beide kosten Zinsen, die deine Sparzinsen um ein Vielfaches übersteigen. Der Notgroschen ist deshalb weniger eine Geldanlage als eine Versicherung, die du dir selbst ausstellst.
So rechnest du deinen Notgroschen aus
Die Faustregel mit den Monatsgehältern ist ein Anfang. Genauer wird es, wenn du von deinen Ausgaben ausgehst, nicht vom Einkommen.
Schritt 1: Feste Ausgaben im Monat
Zähle zusammen, was jeden Monat sicher abgeht:
- Miete oder Kreditrate für die Wohnung, dazu Nebenkosten und Strom
- Versicherungen, auf den Monat umgerechnet
- Handy, Internet, Rundfunkbeitrag
- Mobilität: Monatsticket, Autoversicherung, Sprit
- Lebensmittel und Drogerie
- Kinderbetreuung, Unterhalt, laufende Kreditraten
Sparraten, Urlaub und Ausgehen lässt du weg. In einer Notlage fährst du die zuerst herunter.
Schritt 2: Monate festlegen
| Deine Lage | Monate | Warum |
|---|---|---|
| Angestellt, sicherer Job, keine Kinder, Mietwohnung | 3 | Arbeitslosengeld greift schnell, wenig Verpflichtungen |
| Angestellt mit Kindern oder als Alleinverdiener | 4 bis 6 | Mehr Menschen hängen an einem Einkommen |
| Befristeter Vertrag, Probezeit, schwankende Branche | 4 bis 6 | Höheres Risiko, den Job zu verlieren |
| Selbstständig oder freiberuflich | 6 bis 12 | Kein Arbeitslosengeld, schwankende Aufträge, Steuernachzahlungen |
| Rentner mit sicherer Rente | 2 bis 3 | Einkommen fällt nicht weg, aber Reparaturen und Gesundheitskosten |
Schritt 3: Zuschläge für absehbare Risiken
Addiere Beträge für Dinge, die dich mit hoher Wahrscheinlichkeit irgendwann treffen:
- Eigentümer: Rücklage für Reparaturen an Heizung, Dach oder Fenstern. Die gehört zum Notgroschen dazu, wenn du keine eigene Instandhaltungsrücklage führst.
- Auto: Die Kosten einer größeren Reparatur, falls du ohne Auto nicht zur Arbeit kommst.
- Selbstbeteiligungen: Hast du hohe Selbstbehalte bei Kranken- oder Kfz-Versicherung, leg diese Summe zusätzlich zurück.
Was beim Jobverlust wirklich fehlt
Wer angestellt ist und seinen Job verliert, bekommt in der Regel Arbeitslosengeld. Das beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 %. Es kommt aber nicht immer sofort. Eine Sperrzeit nach eigener Kündigung oder eine verspätete Meldung können die Zahlung verzögern.
Der Notgroschen muss also nicht dein ganzes Gehalt ersetzen. Er muss die Lücke schließen: die ersten Wochen, bis das Arbeitslosengeld kommt, und danach die Differenz zwischen deinen festen Ausgaben und der Leistung. Das ist ein weiterer Grund, von den Ausgaben aus zu rechnen.
Für Selbstständige gibt es dieses Netz meist nicht. Deshalb liegt ihr Notgroschen deutlich höher, und die Rücklage für Steuervorauszahlungen gehört getrennt daneben, nicht hinein.
Wo der Notgroschen hingehört
Ein Notgroschen muss drei Dinge erfüllen: schnell verfügbar, sicher im Wert und nicht zu bequem erreichbar. Das Tagesgeldkonto erfüllt alle drei.
| Ort | Verfügbar | Wertschwankung | Geeignet |
|---|---|---|---|
| Tagesgeld | nächster Bankarbeitstag | keine | ja |
| Girokonto | sofort | keine | nur für einen kleinen Teil, meist ohne Zinsen |
| Festgeld | erst am Laufzeitende | keine | nein |
| ETF-Depot | zwei bis drei Tage nach Verkauf | hoch | nein |
| Bargeld zu Hause | sofort | keine, aber Diebstahlrisiko | nur ein kleiner Betrag |
Eröffne für den Notgroschen ein eigenes Tagesgeldkonto, am besten bei einer anderen Bank als deinem Girokonto. Das hat zwei Vorteile. Du siehst das Geld nicht jeden Tag in der Banking-App, und du hast einen Zugang zu Geld, falls deine Hauptbank einmal Probleme hat. Beim Zins musst du nicht jeden Lockzins mitnehmen. Ein solides Tagesgeld mit dauerhaft ordentlichem Zins reicht. Wie du darüber hinaus mit Aktionszinsen mehr herausholst, steht im Ratgeber zu Neukundenzinsen.
So baust du den Notgroschen auf
- Zielbetrag ausrechnen. Mit den drei Schritten oben.
- Tagesgeldkonto eröffnen. Eigenes Konto nur für diesen Zweck.
- Dauerauftrag einrichten. Einen festen Betrag direkt nach dem Gehaltseingang. Auch 100 € im Monat bringen dich in zwei Jahren auf 2.400 € plus Zinsen.
- Einmalzahlungen nutzen. Steuererstattung, Weihnachtsgeld oder Bonus gehen zuerst in den Notgroschen.
- Erst danach anlegen. Ist der Zielbetrag erreicht, lenkst du die Sparrate um, etwa in Festgeld oder einen Sparplan.
Wie schnell dein Betrag mit einer festen Sparrate wächst, zeigt dir der Sparplanrechner.
Typische Fehler
Zu viel Notgroschen. Klingt harmlos, kostet aber. Liegen 50.000 € auf dem Tagesgeld, obwohl 12.000 € reichen würden, verschenkst du Ertrag. Was darüber liegt, kann in Festgeld oder, bei langem Anlagehorizont, in breit gestreute Anlagen. Die Abwägung steht im Ratgeber Tagesgeld oder Festgeld.
Den Notgroschen für Geplantes nutzen. Der Urlaub und das neue Handy sind keine Notfälle. Spar dafür auf einem eigenen Unterkonto oder einem zweiten Tagesgeldkonto.
Nie anpassen. Kind, Umzug, Hauskauf oder Selbstständigkeit ändern deine Ausgaben. Rechne den Betrag einmal im Jahr neu.
Inflation vergessen. Steigen deine Lebenshaltungskosten, schrumpft die Zahl der Monate, die dein Notgroschen abdeckt. Mehr dazu im Ratgeber zum Sparen bei Inflation.
Aktuelle Angebote: Tagesgeld
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Häufige Fragen
Zählt Geld im ETF-Depot zum Notgroschen?
Nein. Ein Depot kann genau dann im Minus stehen, wenn du das Geld brauchst, etwa in einer Wirtschaftskrise mit Jobverlust. Verkaufst du dann, machst du Verluste endgültig. Der Notgroschen gehört auf ein Konto, dessen Wert nicht schwankt.
Soll ich erst den Notgroschen aufbauen oder erst Schulden tilgen?
Ein kleiner Grundstock von ein bis zwei Monatsausgaben zuerst, dann teure Schulden wie den Dispo oder Kreditkartenschulden tilgen, danach den Notgroschen auf die volle Höhe bringen. Ohne jede Rücklage landest du beim nächsten Notfall sonst wieder im Dispo.
Darf der Notgroschen auf dem Girokonto liegen?
Er darf, aber es ist keine gute Idee. Auf dem Girokonto gibt es meist keine Zinsen, und die Grenze zwischen Notgroschen und Alltagsgeld verschwimmt. Ein eigenes Tagesgeldkonto ist in einem Bankarbeitstag verfügbar und bringt Zinsen.
Was mache ich, wenn ich den Notgroschen angebrochen habe?
Auffüllen, bevor du wieder anderweitig sparst oder investierst. Ein Dauerauftrag mit einem festen Betrag nach dem Gehaltseingang ist der einfachste Weg.