Sparbrief und Festgeld sind wirtschaftlich fast dasselbe: Du leihst der Bank Geld für eine feste Zeit zu einem festen Zins und kommst vorher nicht heran. Der Unterschied liegt vor allem in der Form. Beim Festgeld führt die Bank ein Konto, beim Sparbrief bekommst du ein Einlagenzertifikat, meist heute als elektronischen Eintrag. Für deine Entscheidung zählen am Ende nur drei Dinge: der effektive Zins, wann die Zinsen gutgeschrieben werden und ob die Einlagensicherung greift. In allen drei Punkten kann ein Sparbrief genauso gut sein wie ein Festgeld, muss es aber nicht.
Die Unterschiede in der Übersicht
| Festgeld | Sparbrief | |
|---|---|---|
| Form | Konto bei der Bank | Einlagenzertifikat auf deinen Namen |
| Typische Laufzeiten | 1 Monat bis 10 Jahre | meist 1 bis 10 Jahre |
| Zinszahlung | jährlich oder am Laufzeitende | jährlich, abgezinst oder aufgezinst |
| Vorzeitige Kündigung | nein, nur auf Kulanz | nein, nur auf Kulanz |
| Mindestanlage | oft ab 500 € bis 5.000 € | oft ähnlich, bei Filialbanken manchmal höher |
| Einlagensicherung | ja, bis 100.000 € | ja, bei Namenssparbriefen bis 100.000 € |
| Wo angeboten | Direktbanken, Filialbanken, Plattformen | vor allem Sparkassen, Volksbanken, einige Direktbanken |
Direktbanken nennen dasselbe Produkt mal Festgeld, mal Sparbrief. Lies deshalb die Produktbedingungen und nicht nur den Namen.
Drei Arten von Sparbriefen
Sparbriefe gibt es in drei Varianten. Der Unterschied liegt darin, wann das Geld fließt.
Normal verzinst. Du zahlst den Nennbetrag ein und bekommst jedes Jahr die Zinsen ausgezahlt. Das entspricht einem Festgeld mit jährlicher Zinszahlung.
Aufgezinst. Du zahlst den Nennbetrag ein. Die Zinsen werden nicht ausgezahlt, sondern mit verzinst. Am Ende bekommst du Kapital plus alle Zinsen samt Zinseszins.
Abgezinst. Du zahlst weniger als den Nennbetrag ein und bekommst am Ende den vollen Nennbetrag. Die Differenz sind die Zinsen.
Die Steuerfalle bei Zinsen am Ende der Laufzeit
Zinsen versteuerst du in dem Jahr, in dem sie dir zufließen. Beim abgezinsten und beim aufgezinsten Sparbrief ist das erst am Ende. Dasselbe gilt für Festgeld, bei dem die Bank die Zinsen erst bei Fälligkeit gutschreibt.
Das ist unproblematisch, solange die Zinsen zusammen mit deinen anderen Kapitalerträgen unter dem Sparerpauschbetrag von 1.000 € bleiben (Paare 2.000 €). Wird es mehr, zahlst du auf den Überschuss Abgeltungsteuer, obwohl du bei jährlicher Zinszahlung jedes Jahr unter der Grenze geblieben wärst.
Ein Beispiel mit ausgedachten Zahlen: 40.000 € für fünf Jahre zu 3 % mit Zinsgutschrift am Ende ergeben rund 6.370 € Zinsen im Jahr der Fälligkeit. Davon sind bei einer Einzelperson 5.370 € steuerpflichtig, sofern keine anderen Erträge den Pauschbetrag schon aufbrauchen. Mit jährlicher Auszahlung wären es je Jahr rund 1.200 € Zinsen gewesen, von denen jeweils 200 € steuerpflichtig wären. Der Unterschied: rund 5.370 € gegenüber 1.000 € steuerpflichtigen Zinsen über die Laufzeit, bei 26,375 % Abgeltungsteuer und Soli also etwa 1.150 € mehr Steuer.
Wer mehrjährig anlegt, achtet deshalb auf jährliche Zinszahlung oder verteilt die Fälligkeiten über eine Zinstreppe. Und für jede Bank braucht es einen passenden Freistellungsauftrag.
Einlagensicherung: Namenssparbrief ja, Inhaberpapier nein
Das Einlagensicherungsgesetz zählt Guthaben auf Konten, einschließlich Festgeld und Spareinlagen, zu den geschützten Einlagen. Für Sparbriefe gibt es in § 2 Abs. 3 EinSiG eine eigene Regel: Ein Sparprodukt, das durch ein auf deinen Namen lautendes Einlagenzertifikat verbrieft ist, gilt als Einlage. Der klassische Namenssparbrief ist damit bis 100.000 € je Kunde und Bank geschützt, zusammen mit deinen anderen Guthaben bei derselben Bank.
Anders sieht es bei Papieren aus, die auf den Inhaber lauten und handelbar sind, etwa Inhaberschuldverschreibungen oder Anleihen einer Bank. Die fallen nicht unter die Einlagensicherung. Klingt ein Produkt nach Sparbrief, ist aber ein Wertpapier im Depot, gilt der Schutz nicht. Wie die Sicherung im Detail funktioniert, steht im Ratgeber zur Einlagensicherung.
Worauf du vor dem Abschluss achtest
Bei beiden Produkten stehen die entscheidenden Punkte im Kleingedruckten, nicht im Namen. Diese Fragen klären das vor der Unterschrift:
- Wie hoch ist die Rendite pro Jahr? Beim abgezinsten Sparbrief nennt die Bank manchmal nur Kaufpreis und Nennwert. Rechne daraus den Jahreszins aus oder frag nach der Rendite.
- Wann fließen die Zinsen? Jährlich, am Ende oder mitverzinst. Davon hängt ab, ob der Sparerpauschbetrag reicht.
- Ist es eine Einlage oder ein Wertpapier? Steht im Vertrag „Inhaberschuldverschreibung“ oder wird das Produkt in einem Depot verbucht, gilt die Einlagensicherung nicht.
- Was passiert am Laufzeitende? Manche Festgelder verlängern sich automatisch zu dem Zins, der dann gilt. Wie du das verhinderst, steht im Ratgeber zur Festgeld-Verlängerung.
- Gibt es eine Mindestanlage oder Gebühren? Kontoführung und Verwahrung sollten bei beiden nichts kosten.
Ein Punkt bleibt bei beiden gleich: Vor dem Ende der Laufzeit kommst du nur mit Zustimmung der Bank an das Geld.
Wann welches Produkt besser passt
| Deine Situation | Eher passend |
|---|---|
| Du willst jedes Jahr Zinsen auf dem Girokonto sehen | Festgeld oder normal verzinster Sparbrief |
| Du willst die Zinsen mitverzinsen lassen und brauchst sie nicht vorher | aufgezinster Sparbrief oder Festgeld mit Zinsgutschrift auf das Festgeld |
| Deine Zinsen liegen ohnehin nahe am Sparerpauschbetrag | Produkt mit jährlicher Zinszahlung |
| Du hast ein Konto bei einer Sparkasse oder Volksbank und willst dort bleiben | Sparbrief der Hausbank, nach Zinsvergleich |
| Du suchst den höchsten Zins | Vergleich aller Festgeld- und Sparbriefangebote, egal wie sie heißen |
Filialbanken zahlen bei Sparbriefen oft weniger als Direktbanken beim Festgeld. Rechne den Unterschied für deinen Betrag mit dem Festgeldrechner aus, bevor du aus Bequemlichkeit bei der Hausbank abschließt. Und wenn du noch überlegst, ob überhaupt feste Laufzeit oder lieber Flexibilität, hilft der Vergleich Tagesgeld oder Festgeld.
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Häufige Fragen
Kann ich einen Sparbrief verkaufen oder übertragen?
Einen Namenssparbrief kannst du nicht an der Börse verkaufen. Übertragen lässt er sich nur mit Zustimmung der Bank, etwa im Rahmen einer Schenkung oder Erbschaft. Wer vorzeitig an das Geld muss, ist wie beim Festgeld auf die Kulanz der Bank angewiesen.
Was ist ein Sparkassenbrief?
Ein Sparbrief, den eine Sparkasse ausgibt. Der Name ist historisch. Rechtlich und steuerlich funktioniert er wie ein Sparbrief anderer Banken. Gesichert ist er über die gesetzliche Einlagensicherung und zusätzlich über die Institutssicherung der Sparkassen.
Gibt es Sparbriefe mit steigendem Zins?
Ja, unter Namen wie Wachstumssparen oder Zuwachssparen. Der Zins steigt von Jahr zu Jahr nach einem festen Plan. Vergleiche hier nicht den Endzins, sondern die durchschnittliche Rendite über die ganze Laufzeit mit einem Festgeld gleicher Dauer.
Bekomme ich beim abgezinsten Sparbrief am Ende mehr als eingezahlt?
Ja. Du zahlst am Anfang einen Betrag unter dem Nennwert und bekommst am Ende den vollen Nennwert zurück. Die Differenz sind deine Zinsen.