Depot wechseln: Depotübertrag kostenlos in 6 Schritten

Du musst deine Aktien und ETFs nicht verkaufen, um zu einem günstigeren Depot zu ziehen. Die Wertpapiere wandern per Übertrag, samt Kaufkursen, und das ohne Steuern.

Redaktion Kontenvergleich.net Stand: 5 Minuten Lesezeit

Ein Depotwechsel läuft über einen Depotübertrag: Du eröffnest das neue Depot, gibst dort einen Übertragsauftrag ab, und die neue Bank holt die Wertpapiere bei der alten ab. Du verkaufst nichts, zahlst deshalb keine Steuern, und die alte Bank darf für den Übertrag innerhalb Deutschlands kein Entgelt verlangen. So hat es der Bundesgerichtshof schon 2004 entschieden (Urteil vom 30.11.2004, XI ZR 200/03). Die Kaufkurse wandern elektronisch mit, damit die neue Bank später beim Verkauf richtig abrechnet. Rechne mit ein bis vier Wochen, bei ausländischen Papieren manchmal länger.

Übertrag statt Verkauf: warum das zählt

Verkaufst du alles und kaufst beim neuen Anbieter neu, zahlst du auf die bisherigen Gewinne Abgeltungsteuer, sobald der Freibetrag aufgebraucht ist. Dazu kommen zweimal Ordergebühren und zweimal der Spread. Beim Übertrag fällt davon nichts an.

Angenommen, in deinem Depot stecken 10.000 € Kursgewinn aus einem Aktien-ETF und dein Freibetrag ist schon verbraucht. Beim Verkauf wären nach 30 % Teilfreistellung 7.000 € steuerpflichtig, darauf rund 1.846 € Abgeltungsteuer und Soli. Dieses Geld fehlt dann im neuen Depot und arbeitet nicht mehr für dich. Beim Übertrag bleibt die Steuer bis zum späteren Verkauf aufgeschoben.

In 6 Schritten zum neuen Depot

  1. Neues Depot eröffnen. Wie das geht, steht im Ratgeber Depot eröffnen. Welche Anbieter günstig sind, zeigt die Liste auf der Depot-Seite.
  2. Bestandsliste ziehen. Lade dir beim alten Anbieter eine aktuelle Depotübersicht herunter, mit ISIN und Stückzahl jeder Position. Sie ist später deine Kontrollliste.
  3. Übertragsauftrag beim neuen Anbieter stellen. Die meisten Banken haben ein Online-Formular. Du gibst die Daten des alten Depots an und wählst Voll- oder Teilübertrag.
  4. Ohne Gläubigerwechsel ankreuzen. Bleibst du Inhaber, ist es ein Übertrag ohne Gläubigerwechsel. Das ist steuerlich neutral.
  5. Sparpläne umziehen. Sparpläne gehen nicht mit. Lösche sie beim alten Anbieter und lege sie beim neuen neu an, am besten erst, wenn der Übertrag angekommen ist.
  6. Eingang kontrollieren. Gleiche die eingebuchten Positionen mit deiner Bestandsliste ab, und prüfe bei jeder Position, ob die Anschaffungsdaten mitgekommen sind. Bei vielen Banken steht dann ein Einstandskurs neben der Position.

Anschaffungsdaten: das Kleingedruckte beim Übertrag

Nach § 43a Abs. 2 EStG muss die abgebende deutsche Bank der aufnehmenden die Anschaffungsdaten mitteilen, also Kaufdatum und Anschaffungskosten. Nur so kann die neue Bank beim Verkauf den Gewinn korrekt berechnen.

Fehlen die Daten, rechnet die Bank mit der Ersatzbemessungsgrundlage. Dann gelten pauschal 30 % des Verkaufserlöses als Gewinn. Liegt dein tatsächlicher Gewinn darunter, zahlst du zu viel Steuer. Das bekommst du zwar über die Steuererklärung zurück, aber nur mit Nachweisen. Prüfe deshalb nach dem Übertrag jede Position, und hebe alte Kaufabrechnungen auf.

Ein Sonderfall sind Fonds, die du vor 2009 gekauft hast. Für sie gibt es seit der Investmentsteuerreform 2018 eigene Regeln zum Bestandsschutz. Die Daten dazu sollten ebenfalls mitkommen. Fehlen sie, frag bei der neuen Bank nach.

Was mit Verlusttopf und Bruchstücken passiert

Verlusttopf. Verluste, die bei der alten Bank noch nicht verrechnet wurden, gehen nicht automatisch mit. Überträgst du das Depot vollständig, muss die alte Bank sie auf dein Verlangen an die neue melden (§ 43a Abs. 3 EStG). Kreuze das im Übertragsformular an. Bei einem Teilübertrag bleibt der Verlust bei der alten Bank. Willst du ihn dort nicht liegen lassen, beantrage bis zum 15. Dezember eine Verlustbescheinigung und verrechne ihn in der Steuererklärung. Wie die Verlusttöpfe funktionieren, erklärt der Ratgeber Steuern auf Aktien.

Bruchstücke. Aus Sparplänen hast du oft Anteile mit Nachkommastellen, etwa 12,437 Stück. Übertragen werden in der Regel nur ganze Stücke. Den Rest verkauft die alte Bank oder du verkaufst ihn selbst. Auf den Gewinn aus diesem Minibetrag fällt Steuer an, sofern dein Freibetrag verbraucht ist.

Kosten und Laufzeit

Für den Übertrag selbst darf die alte Bank innerhalb Deutschlands kein Entgelt berechnen. Fremdkosten können trotzdem anfallen, vor allem bei ausländischen Wertpapieren, die bei einer ausländischen Lagerstelle liegen. Diese Kosten stellt dir die Lagerstelle oder die neue Bank manchmal in Rechnung. Frag vorher nach, wenn du viele Auslandsaktien hast.

WasTypische Dauer
Deutsche Aktien und ETFsein bis zwei Wochen
Ausländische Aktienzwei bis sechs Wochen
Fonds, die direkt bei der Fondsgesellschaft liegenteils länger, mit Zusatzformular

Wechselprämien: was dahintersteckt

Manche Banken und Broker zahlen dir eine Prämie, wenn du dein Depot zu ihnen überträgst. Die Höhe hängt meist am übertragenen Depotwert. Solche Aktionen sind ein Zusatz, kein Grund für einen Wechsel. Lies die Bedingungen genau, bevor du dich darauf verlässt.

Typische Bedingungen sind ein Mindestwert des Übertrags, eine Mindesthaltedauer, in der die Papiere nicht wieder abgezogen werden dürfen, und manchmal eine Mindestzahl an Trades. Holst du das Depot vor Ablauf der Frist zurück, musst du die Prämie oft zurückzahlen. Prämien gelten meist nur für Neukunden, und sie können steuerpflichtig sein.

Rechne vor dem Wechsel nicht mit der Prämie, sondern mit den laufenden Kosten der nächsten Jahre. Eine einmalige Prämie gleicht eine höhere Ordergebühr über viele Jahre nicht aus.

Wann sich der Wechsel rechnet

Der Wechsel lohnt fast immer, wenn du bei deiner alten Bank eine Depotgebühr zahlst oder Sparpläne dort Geld kosten. Beides lässt sich bei vielen Anbietern vermeiden. Er bringt wenig, wenn du ein gebührenfreies Depot hast und nur sehr selten handelst. Und bleib bei einem Anbieter, wenn du dort Beratung nutzt, die dir wirklich etwas wert ist.

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Häufige Fragen

Muss ich das alte Depot nach dem Übertrag kündigen?

Bei einem Teilübertrag nicht, bei einem Vollübertrag solltest du es tun, sonst läuft eine mögliche Depotgebühr weiter. Viele Übertragsformulare enthalten ein Feld, mit dem du die Auflösung des alten Depots gleich mitbeauftragst. Prüfe vorher, ob noch Bruchstücke, Geld oder Dividenden auf dem alten Verrechnungskonto liegen.

Kann ich während des Übertrags verkaufen?

Meist nicht. Solange die Papiere unterwegs sind, sind sie beim alten Anbieter gesperrt und beim neuen noch nicht eingebucht. Planst du einen Verkauf, erledige ihn vor dem Übertrag oder danach.

Kann ich mein Depot auf eine andere Person übertragen?

Ja, dann ist es ein Übertrag mit Gläubigerwechsel. Die Bank behandelt ihn steuerlich als Verkauf, es sei denn, du gibst an, dass es eine Schenkung ist. Die Bank meldet die Schenkung dann dem Finanzamt. Für Übertragungen zwischen Eheleuten und auf Kinder gelten die Freibeträge der Schenkungsteuer.

Was passiert mit meinem Freistellungsauftrag?

Der Freistellungsauftrag zieht nicht mit um. Erteile beim neuen Anbieter einen neuen und setze ihn beim alten herab oder auf null, sonst überschreitest du womöglich die Summe von 1.000 € (Paare 2.000 €).

Geht ein Übertrag von einem ausländischen Broker nach Deutschland?

Ja, aber oft mit Fremdkosten und längerer Laufzeit. Die Anschaffungsdaten kommen dabei häufig nicht elektronisch an. Reiche der neuen Bank dann deine Kaufabrechnungen ein, damit sie nicht mit der Ersatzbemessungsgrundlage rechnet.

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