Ein Neobroker ist ein Online-Broker, der fast ausschließlich per App funktioniert und Aktien, ETFs und oft auch Kryptowerte für eine sehr kleine feste Gebühr pro Order handelt, häufig um 1 €. Sparpläne sind bei den meisten kostenlos. Möglich wurde das jahrelang durch Rückvergütungen der Handelsplätze, das sogenannte Payment for Order Flow (PFOF). Seit dem 1. Juli 2026 ist PFOF auch in Deutschland verboten. Die Anbieter mussten ihr Geschäftsmodell umbauen. Für dich heißt das: Die Preise, die du kennst, stimmen vielleicht nicht mehr, und der Vergleich mit einer Direktbank fällt je nach Handelsverhalten anders aus als noch vor einem Jahr.
Wie Neobroker bisher Geld verdient haben
Bei einem Neobroker landest du meist bei einem oder zwei Handelsplätzen, oft außerbörslich mit einem Market Maker. Der Market Maker stellt Kauf- und Verkaufskurse und verdient am Spread. Für den Kundenfluss, den der Broker ihm zuleitet, hat er dem Broker bisher einen Teil davon abgegeben. Das war PFOF.
Dazu kamen und kommen weitere Einnahmen:
- Zinsmarge auf das Guthaben der Kunden, soweit der Broker weniger Zinsen weitergibt, als er selbst bekommt.
- Premium-Abos mit mehr Handelsplätzen, kostenlosen Orders oder höherem Zins.
- Kartenzahlungen, wenn der Broker eine Debitkarte ausgibt.
- Wertpapierleihe, bei manchen Anbietern und je nach Vertrag.
- Aufschläge beim Währungstausch und bei Kryptowerten.
Das PFOF-Verbot: was sich seit Juli 2026 geändert hat
Die EU hat Payment for Order Flow mit der überarbeiteten Finanzmarktverordnung MiFIR verboten (Art. 39a, eingefügt durch Verordnung (EU) 2024/791). Seit März 2024 gilt das Verbot grundsätzlich in der ganzen EU. Staaten, in denen PFOF schon üblich war, durften eine Ausnahme bis zum 30. Juni 2026 erlauben. Deutschland hat diese Übergangsfrist genutzt. Sie ist abgelaufen.
Der Gedanke dahinter: Ein Broker, der vom Handelsplatz bezahlt wird, hat einen Anreiz, deine Order dorthin zu leiten, wo er am meisten bekommt. Und nicht dorthin, wo du den besten Preis erhältst.
Die Anbieter reagieren unterschiedlich. Denkbar und zum Teil schon umgesetzt sind:
| Reaktion | Was es für dich bedeutet |
|---|---|
| höhere Ordergebühren | Einzelorders werden teurer, Sparpläne oft nicht |
| Abo-Modelle mit Flatrate | lohnt sich nur, wenn du oft handelst |
| Wechsel auf Börsen statt Direkthandel | Börsenentgelte können hinzukommen, dafür mehr Preistransparenz |
| eigene Handelsplätze | Spread genau beobachten |
| stärkere Einnahmen aus Zinsen und Karte | kaum spürbar, solange du nur Wertpapiere kaufst |
Welcher Anbieter welches Modell gewählt hat, steht in der Liste auf der Depot-Seite. Dort sind die Preise mit Stand der letzten Prüfung erfasst. Schau trotzdem in das aktuelle Preisverzeichnis deines Brokers, bevor du größere Summen bewegst.
Der Spread: die Gebühr, die nicht auf der Abrechnung steht
Beim Direkthandel mit einem Market Maker zahlst du keine Börsenentgelte, aber den Spread. Er ist in den Kurs eingerechnet, den dir die App anzeigt. Deshalb sagt der beworbene Orderpreis allein wenig über die Kosten einer Order.
Vergleiche vor einer größeren Order den Kaufkurs in der App mit dem Kurs auf Xetra zur gleichen Zeit. Den findest du auf der Seite der Börse oder in jeder Finanz-App. Liegt der Kurs spürbar darüber, warte bis zur Hauptbörsenzeit oder setze ein Limit.
Wie sicher dein Geld beim Neobroker ist
Die Wertpapiere in deinem Depot sind Sondervermögen und gehören dir, egal ob der Broker eine Vollbank oder ein Wertpapierinstitut ist. Bei einer Pleite fallen sie nicht in die Insolvenzmasse.
Beim Bargeld auf dem Verrechnungskonto kommt es auf den Aufbau an. Hat der Broker eine eigene Banklizenz, gilt die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € bei ihm. Arbeitet er mit Partnerbanken, liegt das Geld dort, und die Einlagensicherung gilt pro Kunde und Partnerbank. Manche Anbieter legen Guthaben auch in Geldmarktfonds an. Das ist dann Sondervermögen, aber keine Einlage mehr, und kann im Wert leicht schwanken. Mehr dazu im Ratgeber zur Einlagensicherung.
Neobroker oder Direktbank: eine Entscheidungstabelle
| Wenn du … | dann spricht mehr für |
|---|---|
| nur ETF-Sparpläne besparst | beide, Kosten der Sparpläne vergleichen |
| oft kleine Einzelorders aufgibst | Neobroker, wegen des festen Kleinbetrags |
| große Einzelorders über mehrere tausend Euro aufgibst | Direktbank oder Neobroker, Spread und Börsenentgelt entscheiden mit |
| an ausländischen Börsen handeln willst | Direktbank |
| Anleihen, aktive Fonds oder Zertifikate in großer Auswahl suchst | Direktbank |
| am Rechner mit vielen Ordertypen arbeitest | Direktbank |
| alles in einer App erledigen willst | Neobroker |
Viele Anleger haben inzwischen beides: einen Neobroker für Sparpläne und kleine Käufe, eine Direktbank für den Rest. Das ist unproblematisch. Achte nur darauf, deinen Freistellungsauftrag sinnvoll auf beide Anbieter zu verteilen.
Worauf du beim Neobroker achtest
- Steuerstatus. Führt der Anbieter die Abgeltungsteuer in Deutschland ab? Wenn nicht, bist du für die Steuererklärung selbst verantwortlich.
- Handelsplätze. Wie viele gibt es, und kannst du eine echte Börse wählen?
- Gesamtkosten einer Order. Gebühr plus Spread plus eventuelle Fremdspesen. Vergleiche den Kurs, den dir die App anzeigt, mit dem Xetra-Kurs zur selben Zeit.
- Bruchstücke. Sparpläne kaufen Bruchteile von Anteilen. Diese lassen sich bei einem späteren Wechsel meist nicht übertragen, wie der Ratgeber Depot wechseln zeigt.
- Kundenservice. Bei vielen Neobrokern gibt es nur Chat oder E-Mail. Überleg, ob dir das im Ernstfall reicht.
Für einen einfachen ETF-Sparplan ist ein Neobroker oft die günstigste Lösung. Wie du ihn einrichtest, steht im Ratgeber zum ETF-Sparplan.
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Häufige Fragen
Ist ein Neobroker eine richtige Bank?
Das ist unterschiedlich. Manche haben eine Vollbanklizenz, andere sind Wertpapierinstitute und verwahren über eine Partnerbank. Für deine Wertpapiere ändert das wenig, sie sind in beiden Fällen Sondervermögen. Beim Geld auf dem Verrechnungskonto kommt es darauf an, bei welcher Bank es liegt.
Kann ich bei einem Neobroker Anleihen oder Fonds mit Ausgabeaufschlag kaufen?
Anleihen bieten manche Neobroker in kleiner Auswahl an, aktive Fonds über die Fondsgesellschaft meist gar nicht. Wer viele verschiedene Wertpapierarten handeln will, ist bei einer Direktbank meist besser aufgehoben.
Muss ich bei einem Neobroker eine Steuererklärung machen?
Nicht, wenn der Anbieter in Deutschland steuerlich registriert ist und die Abgeltungsteuer abführt. Das tun die großen Neobroker für deutsche Kunden. Prüfe es trotzdem vor der Eröffnung, der Hinweis steht meist in den FAQ oder im Preisverzeichnis unter Steuern.
Warum sind die Kurse abends anders als an der Börse?
Nach Börsenschluss fehlt der Handel auf Xetra als Referenz. Der Market Maker stellt dann Kurse aus eigener Einschätzung, oft mit breiterem Spread. Bei großen ETFs und deutschen Standardwerten handelst du deshalb am günstigsten zwischen 9 und 17:30 Uhr.
Was passiert, wenn die App ausfällt, während ich verkaufen will?
Das kommt bei hohen Umsätzen immer wieder vor. Einen Anspruch auf Ausführung zum Kurs von vor dem Ausfall hast du meist nicht. Setze deshalb für wichtige Positionen vorab Limit- oder Stop-Orders, die beim Handelsplatz liegen und auch ohne App ausgeführt werden.